Feldhausen

&
 

Overhagen

 

Feldhausen hat in den vergangenen Jahrhunderten besonders durch das Schloss Beck und seine Adelsgeschlechter Bedeutung gehabt. Auf den elfeinhalb Quadratkilometern des statistischen Bezirks Kirchhellen Nord-Ost mit seinem Mittelpunkt Feldhausen und der Bauernschaft Overhagen leben rund 2200 Menschen.
Der Freizeitpark "Movie Park Germany" ist über Feldhausens Grenzen hinaus in ganz Nordrhein-Westfalen bekannt. Das Dorf Feldhausen selbst, auf dessen Gebiet der Park steht, findet dagegen auf den ersten Blick wenig Beachtung. Bedeutender für die Feldhausener ist jedoch das Schloss Beck: Eine 700-jährige Historie mit einem Barockschloss der Meisterklasse als sichtbarem Symbol dieser Geschichte.


"Stolzhausen"
"Stolzhausen" nannten früher die Kirchhellener das östlich gelegene Dorf Feldhausen. Auch wenn dieser Ausdruck heute nur noch scherzhaft benutzt wird, enthält er doch einen Funken Wahrheit. Die Feldhausener haben nämlich in der Tat eine Geschichte und Denkmäler, auf die sie mächtig stolz sein können. Denn das Geschlecht "van der Beke", das laut einiger Heimatforscher erstmals 1338 urkundlich erwähnt wird, macht 1460 etwas für die Zeit ganz Besonderes: Statt an ihrem Stammsitz auf dem Grund des heutigen Schloss Beck eine Begräbniskapelle zu errichten, lassen sie die Kirche im angrenzenden Dorf Feldhausen bauen.

Wenig später wird sie Pfarrkirche, wodurch das Dorf einen enormen Aufschwung nimmt: fortan musste man nicht mehr nach Kirchhellen zur Kirche gehen und auch aus umliegenden Bauernschaften wie Rentfort, Zweckel (heute Gladbeck) oder Scholven (heute Gelsenkirchen) kamen die Menschen zur Messe nach Feldhausen. Um 1600 gesellt sich noch die Schule im Dorf zur Kirche dazu, die ebenfalls von der Familie Beck gestiftet wird.


Schloss Beck

Die Herren auf Schloss Beck bestimmten über Jahrhunderte die Geschichte in Feldhausen. Heute beherbergt das Barockschloss den vielleicht individuellsten Freizeitpark in Deutschland.

1776 ist es dann so weit: Architekt Johann Konrad Schlaun, ein Meister des Spätbarock, baut das heute noch erhaltene Schloss Beck. 25 Jahre zuvor hatte er bereits sein Können in Feldhausen durch den Bau der Liborikapelle am Lippweg unter Beweis gestellt. Die Adelsfamilie, die das Schloss bewohnen wird, heißt indes gar nicht mehr "Beck", sondern durch Vererbung über die weibliche Linie "von Wenge". Das Geschlecht von Wenge bringt 1811 auch fertig, wovon die Feldhausener speziell und die Kirchhellener allgemein heute nur träumen können: Friedrich Wilhelm von Wenge wird nach der Eroberung Deutschlands durch Napoleon bei der verwaltungstechnischen Neuordnung "Maire", also Bürgermeister der "Mairie" (Bürgermeisterei) Kirchhellen und Bottrop.

Der letzte Adelige auf Schloss Beck war Karl Graf Wolff Metternich. 1958 gab er das Schloss schweren Herzens aus Kostengründen auf. Neue Besitzer des heruntergekommenen Schlosses wurden 1966 nach einigen Wirren Karl und Renate Kuchenbäcker aus Marl. "Damals hatte Denkmalpflege noch nicht so einen Stellenwert wie heute", erzählt Renate Kuchenbäcker. Den Wert des spätbarocken Schlosses erkannte das Ehepaar dagegen sofort und restaurierte es in den kommenden Jahren liebevoll. Daneben bauten sie das Gelände zu einem kleinen Freizeitpark für Familien um. "Alle haben uns ein bisschen für verrückt erklärt", berichtet Renate Kuchenbäcker, " 'die ruinieren sich damit', hat man gesagt." Aber das Konzept "ein Freizeitangebot für Familien schaffen" ging auf. "Wir hatten selbst sechs Kinder, wussten, wie schwer es ist, als große Familie seine Freizeit zu gestalten", erklärt die "Schlossherrin".
Im September 1967 kostete der Eintritt in den großen Spielplatz rund um das Schloss 50 Pfennige. Ende der 70er-Jahre kamen mehr Land und damit ein See und mehrere Fahrgeschäfte dazu. Die Maikäfer-Achterbahn eröffnete 1986.

Dabei hatten die Kuchenbäckers und ihr Schloss immer die Konkurrenz in direkter Nachbarschaft. Auf Teilen des Geländes des heutigen "Movie Park Germany" eröffnete bereits 1968 ein Märchenwald, betrieben unter anderem von Feldhausener Bauern. Später folgte dort der Traumlandpark der Familie Rosenberg. Die Attraktionen und Fahrgeschäfte wurden immer größer. Mit dem "Bavaria Filmpark" hielt das Filmgewerbe Einzug, dass seinen Höhepunkt mit der "Warner Bros. Movie World" erlebte. "Aber wir haben durchgehalten", freut sich Renate Kuchenbäcker. Das liegt vielleicht auch daran, dass Schloss Beck immer eine klare Linie vertreten hat: Nicht zu anspruchsvoll, nicht zu teuer, eher was für Familien als für Gruppen von Teenagern.


Schlossbesucher lassen Feldhausen nicht links liegen

Allein schon damit ist das Schloss auch nach der Zeit des Feldhausener Adels ein Teil des Dorfes geblieben. Denn die Besucher von Beck lassen Feldhausen nicht links liegen, sondern gehen hier nach dem Freizeitspaß spazieren oder genießen ein Stück des weit über Feldhausen bekannten
Kuchens des Gasthauses Berger. Mit ihnen laben sich an sonnigen Tagen unzählige Radfahrer, nachmittägliche Spaziergänger und Wanderer auf der großen Gartenterrasse des Gasthauses an den Köstlichkeiten. Dabei treffen Jung und Alt zusammen. Dazu kommen die Stammgäste aus dem Dorf, zum Beispiel am Sonntagmorgen nach dem Kirchgang in die Dorfkirche St. Marien.


Bauern in Feldhausen und Overhagen
Einer alteingesessenen Feldhausener Familie entstammt Rudi Königshausen auf Hof Bauckholt. Bereits 1222 wird der Hof an der Grenze zur Bauernschaft Ekel das erste Mal urkundlich erwähnt. Und die Geschichte wird hier gepflegt. Alte Urkunden und Verträge zieren die Wände des Wohnhauses. In der Familienchronik wird jedes Mitglied der Familie handschriftlich mit seinen Taten und Eigenschaften seit Generationen verewigt.

Aber so sehr Rudi Königshausen ein Mann der Tradition ist, so sehr ist er auch offen für die Zukunft: "Man muss dem Alten verbunden bleiben, darf sich dem Neuen aber nicht verschließen", erklärt der 59-Jährige. Darum hat er mit der Ausrichtung seines Hofs auch neue Wege beschritten und betreibt heute einen muslimischen Direktvertrieb. Auf Hof Bauckholt decken sich Muslime aus dem ganzen Ruhrgebiet und Münsterland mit Fleisch und Gemüse ein. Rudi Königshausen ist einer von rund einem Dutzend alteingesessener Feldhausener Bauern, die sich in der Landwirtschaft stark spezialisiert haben.

Auf den Höfen Schmücker, Umberg und Aldenhoff haben Erdbeeren, Äpfel und Spargel das Getreide längst verdrängt. Bei Spargelfesten, Adventsmärkten und Erdbeer-Pflücken können die Städter hier ein wenig Landluft schnuppern. Die manchmal auch etwas riechen kann, wie Königshausen weiß: "Willst du Eier, Speck und Schinken, muss es manchmal etwas stinken", lautet ein altes Bauern-Sprichwort.

Und Städter, die nach Feldhausen ziehen und denken, sie sind in einem Urlaubsparadies und nicht in einem Dorf, das auch von etwas leben muss, können da schon mal mit den Landwirten anecken. "Wer sich nicht mit den Gegebenheiten abfinden kann, ist nicht allzu gern gesehen", erklärt Königshausen. Wer aber bereit sei, sich zu integrieren, sei in Feldhausen herzlich willkommen. So sind zum Beispiel "Am Dornbusch" und Umgebung in den letzten 20 Jahren viele Neubauten entstanden, weitere Baugebiete sind in Planung. Königshausen kann das gut verstehen: "Man lebt hier mitten im Grünen, ist zumindest mit dem Auto aber schnell in jeder belebten Großstadt." Der Anschluss zur A31 liegt nur einen guten Kilometer vom Dorfkern entfernt.

Dass es in Feldhausen kaum noch Geschäfte gibt, stört da auch kaum. Zum Einkaufen fährt man ins nachbarliche Kirchhellen oder manchmal noch lieber nach Dorsten oder Gladbeck. Besonders bei den Alteingesessenen sind traditionell die Bindungen nach Norden und Osten stärker als nach Westen oder Süden. Erst 1927 gab es eine direkte Straße nach Kirchhellen, während die Verbindung nach Dorsten und Gladbeck schon einige Jahre eher bestand. Und Bottrop ist für die Feldhausener sowieso meilenweit entfernt, nicht nur, was die Anzahl der Kilometer angeht.

Möglichkeiten, bei den Polbürgern dazwischen zu kommen, bieten die vielen Vereine, die in dem 2000-Seelen-Dorf Feldhausen aktiv sind: Neben dem Tennisverein TC Feldhausen, dem Fußballverein TSV und der Freiwilligen Feuerwehr ist es besonders die Kirchengemeinde St. Marien, die mit der kfd, der KAB, der Caritas und den Jugendgruppen aktiv ist.

Quelle: http://www.bottrop.de